Konzepte und Kampagnen
Marketing- und Designkonzepte kommentieren auch
Geschlechterfragen - vordergründig oder subtil, bewusst oder unbewusst.
Anhand der folgenden Beispiele werden Genderaspekte sichtbar.
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Parfum
Gender wird in dieser Produktgruppe vielfältig inszeniert. Es sind
sowohl Konzepte zu finden,
die traditionelle Rollenklischees bedienen, als auch solche,
die
mit ihnen brechen. Subversion, Ironie und Parodie sind verbreitet.
Die
Flakons auf einem Sujet für
René
Lezard verweisen auf
menschliches
Doing
Gender: Frau schmiegt sich ran an den Mann. Oder doch
nicht? Der helle Flakon hat breitere Schultern.
Mit einem traditionellen Rollenverständnis im Kopf erscheint die Körpersprache
eindeutig. Der anlehnungsbedürftige Flakon wird dann weiblich gedacht,
der Halt gebende Flakon männlich. Die Anzeige lädt zum
Gedankenspiel über Verhaltensmuster und ihre Interpretation ein.
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Pflegeprodukte
Die wohl bekannteste Gender-Kampagne der letzten Jahre
wurde für
die Pflegeserie
Dove
kreiert. Sie erzielte breite Aufmerksamkeit und hohe Sympathiewerte -
selbst bei jungen Frauen, die nicht zur Zielgruppe gehören.
Gesellschaftlich definierte
"Schönheitsmängel" wurden positiv
interpretiert -
bislang ein
Tabu in der Werbung.
Die Dialog-Kampagne arbeitet mit Porträts,
die sich vom stereotypen Schönheitsideal entfernen.
Sie lädt dazu ein, Gendernormen lustvoll zu brechen. Nicht das Produkt
steht im Mittelpunkt, sondern die Kundin und ihr Selbstbild. Durch das
Infragestellen medial inszenierter Gendernormen erfährt es
eine
Aufwertung.
"Grau? Großartig?" Postkarte mit Aufforderung, Stellung zu nehmen (aus
einem dm
Drogeriemarkt 2005)
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Die
Dove-Kampagne
2007
wendet sich an Mütter und ihre Töchter. Sie setzt sich zum Ziel,
das Selbstwertgefühl von Mädchen zu stärken. Ein Kurzfilm thematisiert
die Scheinwelt der Schönheitsindustrie.
Auffällig: Die visuelle
Gestaltung der Website ist geprägt
von Pastellfarben und sanften Formen - ein visueller
Widerspruch
zu den propagierten Inhalten der Kampagne.
Obwohl heute gerade auch Väter aufgefordert sind,
das Selbstwertgefühl ihrer Töchter zu stärken, werden sie in
der Kommunikation ausgespart. Selbst ansehen!
www.initiativefuerwahreschoenheit.de
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Automobile
sind traditionell männlich konnotierte Produkte.
Die Unternehmen reagierten bislang unterschiedlich
auf die stark gewachsene Kaufkraft weiblicher Kunden.
Sie schwankten
zwischen explizit stereotypen Werbekampagnen (Seat Ibiza, Seat Arosa)
und Versuchen, das Auto schon in der Entwicklung
komplett auf Bedürfnisse "von Frauen"
auszurichten (YCC-Konzeptstudie von Volvocars).
Wird ein traditionell männlich konnotiertes Produkt "für Frauen"
vermarktet, geraten immer wieder Vorurteile und Geschlechterstereotype
in die
Argumentation. Das Image des Produkts wird damit angreifbar.
Selbst die vielfach als engagiert gelobte YCC-Konzeptstudie
präsentierte selbständige Frauen
lieber als shoppend denn als Unternehmen führend.
Werden Automobile als
"Frauenautos" vermarktet, wirkt sich das für die Zielgruppe
zweifach einschränkend aus. Einerseits werden viele Männer
von vornherein vom Kauf ausgeschlossen - den meisten ist der
Kauf eines "für Frauen" vermarkteten Wagens peinlich.
Andererseits können sich immer mehr Frauen ein Auto leisten,
das einen hohen Status repräsentiert.
Viele Automobilkampagnen verzichten auf explizite
Geschlechterzuweisungen und arbeiten mit Sujets von
Städten, Landschaften, Umweltbedingungen oder Interpretationen von
Zukunft und Technik. Solche Bilder
können geschlechtlich konnotiert sein, lassen aber Raum für eigene
Deutungen.
"Es gibt doch intelligentes Leben da draußen. Nichts ist
unmöglich.Toyota" (Focus 15/2004)
Die Printanzeige enthält eine Liste technischer
Details. Sie verzichtet auf Abbildungen von Männern oder Frauen und
lässt an deren Stelle Aliens einen
Toyota
Yaris
entdecken. Ob diese Geschlechtswesen sind, kann frei phantasiert werden.
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Öffentlicher
Verkehr
Die
Deutsche
Bahn thematisierte Gender in einer
Personal-Kampagne. Sie sucht weiterhin
dringend weiblichen Nachwuchs. Rund 20 % der Bahnangestellten sind
Frauen. Die meisten arbeiten im Service. Im technischen
Bereich liegt die Quote nach eigenen Angaben viel niedriger.
"Wir haben 300 Lokführer, die nicht als Junge von dem Beruf geträumt
haben. Sondern als Mädchen." (Printanzeige in Focus 15/2004)
Die
Print-Kampagne geht respektvoll mit dem Thema um, kann aber die
geschlechterstereotypen Berufsbilder von Mädchen nicht so einfach
beeinflussen. Für wieviele Mädchen in Deutschland ist der Beruf einer
Lokführerin eine lebendige Vorstellung, die von Eltern, Schule und
Freundeskreis - auch abseits vom Girl`s Day - mitgetragen
wird?
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